„Seid ihr dann mal fertig … ?“

 - von wortkomplex

Peter Urban Oder: Hat Peter Urban den Eurovision Song Contest nicht einfach großartig moderiert? Auf jeden Fall hat er das überflüssig gemacht, weswegen wir uns zu einer gemütlichen Grand-Prix-Runde zusammen fanden. Lästern. Das übernahm er geradewegs selbst.

Oben tiefe, unten kurze und dazu noch durchsichtige Outfits bekamen von Urban ebenso ihr Fett weg wie krampfhaft hippe Hoppeleien. Hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen etwa gelernt, dass poltical correctness nicht alles ist? Denn ohne die Kommentare Urbans wären die schiefen Töne, lahmen Lieder und identisch aussehenden Möchtegern-Barbies nur schwer zu ertragen gewesen. So macht der ESC – wie der Contest liebevoll genannt wird – wieder Spaß! Jedenfalls ein kleines bisschen. Bitte mehr davon, Herr Urban!

Als frustrierend erwies sich, wie in jedem Jahr, die Bewertung. Auch wenn mit einer gestrafften Verteilung der Punkte diesmal alles schneller zu Ende ging, blieb es doch ein einziges Elend. Sicher boten Texas Lightning mit dem dahinplänkelnden „No no never“ nicht den Hit des Jahrtausends. Doch im Vergleich zu anderen Darbietungen, bei denen weder Töne noch ein gewisses ästhetisches Niveau getroffen wurden, hätte die Country-Combo aus deutschen Landen einen besseren als den 15. Platz verdient. Balkan- und Sowjet-Connection sind aber verlässliche Konstanten des europäischen Sängertreffens. Wer wem wie viele Punkte gibt, lässt sich vor allem bei den höheren Zahlen relativ sicher vorhersagen.

Überrascht hat da neben Peter Urbans offen sarkastischer Moderation nur der Sieg der finnischen Lieblingsmonster Lordi. Und zwar positiv. Die Gruselrocker bekamen Punkte nicht entsprechend der Ländergrenzen oder historischer Verbandelungen sondern des Titels wegen. Selbst wenn der Sänger „Hard rock Hallelujah“ offenbar nur in einer Tonlage grunzen konnte. Gewonnen haben sie zum Teil sicher auch ihrer einfallsreichen Maskerade wegen. Mumien, Zombies, Orcs und sonstige Gruselwesen passen eben doch zum ansonsten weichgespülten Song Contest. Thomas Herrmanns rissen sie jedenfalls zu der Spekulation hin, unter einem der Kostüme verberge sich Ralph Siegel.

Doch Lordi und Urban alleine konnten den Contest nicht retten. Manch eine einfallsreiche Nummer war sicher darunter. Etwa die Litauen mit ihrem siegessicheren „We are the Winners of the Eurovision Song Contest“, bei dem gestriegelte Anzugträger plötzlich wie irre abgingen. Doch viel mehr konnte die Show nicht bieten. So bleibt am Ende nur eine verzweifelte Frage Peter Urbans, die er dem Beitrag aus Moldau (bei Grand Prix-Laien als Moldawien bekannt) widmete: „Seid ihr dann mal fertig?“

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