Abgelegt in:Frauen, Männer & das ganze Leid der Welt’

Pie-Crust

 - von wortkomplex

Hach, zu viele Gedichtbände gewälzt gestern… sehr seltsame Träume gehabt. Und deswegen: Christina Rosetti – Promises Like Pie Crust (mit ganz dickem Dank wieder einmal an die Hexe, eine zuverlässige Gedichtlieferantin, die mir dieses Exemplar aus ganz besonderen Gründen schmackhaft gemacht hat… )

Promises Like Pie-Crust 
by Christina Rossetti

Promise me no promises,
So will I not promise you:
Keep we both our liberties,
Never false and never true:
Let us hold the die uncast,
Free to come as free to go:
For I cannot know your past,
And of mine what can you know?

You, so warm, may once have been
Warmer towards another one:
I, so cold, may once have seen
Sunlight, once have felt the sun:
Who shall show us if it was
Thus indeed in time of old?
Fades the image from the glass,
And the fortune is not told.

If you promised, you might grieve
For lost liberty again:
If I promised, I believe
I should fret to break the chain.
Let us be the friends we were,
Nothing more but nothing less:
Many thrive on frugal fare
Who would perish of excess.

Und jetzt… Augen zu machen, das hier hören und genießen:

out-of-date

 - von menschzweinull

Ein Gastbeitrag von menschzweinull

Prolog 1

Ich glaube nicht an demokratisches Design. Ebenso wenig glaube ich an individuelles Design. Ich glaube an diktatorisches Design, und bin dabei in bester Gesellschaft. Daher: Wer diesen Eintrag lesen will, muss vorher oben rechts die Farbe des Blogs auf “Vernunftsblau“ umstellen. Danke.

Prolog 2

In einer relevanten Rede hat Martin Walser eine nahezu lächerlich durschaubare rhetorische Figur gebraucht; er sagte Folgendes:

wenn ich über Lyrik reden wollte, würde ich mit etwas anfangen wie »Die Sonne neigt beim Untergang im Meer zur Übertreibung«.

Der Martin wieder: Erfindet eine hübsche Floskel, die er nur ihrer selbst willen völlig kontextlos einbaut. Dieses Muster adaptierend, könnte ich jetzt schreiben:

wenn ich provozieren wollte würde ich diesen Blogeintrag beginnen mit dem Vergleich: »Wer solche Dating-Listen erfindet und ins Internet stellt handelt moralisch nicht anders als ein Pornoanbieter.«.

Aber natürlich würde ich nie so anfangen. Ich bin ja nicht Martin Walser. Der – nur so nebenbei bemerkt – eben diese in der Paulskirche mündlich vorgetragene Passage aus seinen gedruckten Redetexten hat entfernen lassen.

Prolog 3

Ich habe in meiner Erinnerung gekramt und festgestellt: Ich hatte noch nie ein „Date“.

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Als ich die Dating-Liste las, war meine erste Reaktion: Lustig. Wird sich alles keiner trauen, aber: lustig. Meine zweite Reaktion war: Listen wie diese sind gefährlich. Man sollte sie löschen. Alle.

Für das “warum“ der zweiten Reaktion spannen wir den Bogen zum zweiten Prolog: Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage in einer durch und durch sexualisierten Welt auf. Gerade eben geht der Diskurs wieder durch die Medien: Was wird all die direkt verfügbare Pornographie im Internet mit unseren Kindern anstellen? Manche sehen die Katastrophe aufziehen, andere mahnen zur Ruhe.

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Die Sache mit den Strümpfen

 - von wortkomplex

Nur eine kleine Randnotiz.

Steve: There are three things all men should know, and it’s time you did too. You’re never going to be famous, you’re fatter than you think, and, most important of all, they don’t keep wearing stockings.
Jeff: Julia always wears stockings. No, really! She’s always worn them. She always will. She told me.
[Steve and Patrick chuckle]
Jeff: In fact, Julia told me she…
Steve & Patrick: [finishing with him] …prefers wearing stockings.
Jeff: What?
Steve: Stockings aren’t real, Jeff. They’re a myth.
Jeff: Stockings are real. I’ve seen ‘em.
Steve: Oh, sure there are SOME stockings out there, but… there’s… what? Ten pairs in the whole world?
Patrick: Ten, at most.
Steve: Ten pairs for all the women in the world. They share ‘em out. [Speaking in a woman's voice] Oh, Julia! Y’got a new boyfriend? Your turn with the stockings then, but we’ll need them back on Tuesday. There’s an anniversary in New Zealand.
Jeff:Next Tuesday?
Steve: The stockings will go, Jeff. They’ll just melt away.

aus: Coupling, Season 2 – Episode 9: The End of the Line

Whoever invented “Happily ever after”…

 - von wortkomplex

Manche Postings schlummern als Draft schon sehr lange im Wortkomplex-Backend vor sich hin. Gelegentlich gibt es sogar bei mir den ein oder anderen Grund, aus dem ich mich mit Äußerungen zurückhalte. Weil es dann doch zu unpassend wäre. Gelegentlich lösen sich diese Gründe in Wohlgefallen auf. Nun ja, nicht in Wohlgefallen, aber sie werden obsolet. So auch hier geschehen. Gleichzeitig bin ich angesichts der Tatsache erschrocken, wie sehr ich mit Kopf und Herz ständig an anderer Stelle war – das habe ich spätestens in dem Moment realisiert, in dem ich als ausgewiesener Dempsey-Anhimmler feststellen musste, allen Ernstes schon vier Folgen der neuen Grey’s Anatomy-Staffel verpasst zu haben. Ohohoho.

Anyway: Es ist endlich Zeit zu überlegen, ob da nicht eine großangelegte Disney-Dempsey-Verschwörung im Gange ist. Die allen – ALLEN – ganz fabulöse Romantik und natürlich Happy Ends schmackhaft macht (über Sinn und Zweck der Verschwörung wäre dann noch zu diskutieren). Dazu fange ich aber weder bei Grey’s Anatomy noch bei Disney-Filmen an.

Vier Mal habe ich ihn gesehen. Made of Honor. Ein Mal wirklich aktiv, zwei Mal eher mit halbem Ohr und viertel Auge und noch ein Mal zum Einschlafen, damit er auch schön in mein Unterbewusstsein eindringt. Was ich anschließend geträumt habe… hüllen wir darüber den Mantel des Schweigens. Mit Sicherheit kann ich jetzt aber sagen: Es ist der grauenvollste, unterirdischste Film aller Zeiten. Um mir in dieser Sache absolut sicher zu sein, habe ich ihn gleich noch ein fünftes Mal gesehen. Aber die Sache mit der Romantik, den Männern und mir – daraus wird in diesem Leben und nach diesem Film nun wirklich nichts mehr. 

Warum? Nun ja. Man finde mir jemanden, der besispielsweise folgende Kriterien erfüllt: Gespräche dauern Stunden, geführt freundschaftlich über alle Themen. Er bestellt geschickt im Restaurant, damit sie sich hinterher nicht über zu viele Kalorien ärgert und trotzdem zufrieden ist. Am Wochenende stehen gemeinsames Kulturprogramm, Spaziergänge und Stöbern in Antiquitätenläden an. Er weiß, welchen Kuchen sie eigentlich lieber hätte, und bestellt den für sich, damit sie auch davon essen kann. Er tanzt mit ihr durch die Welt. Und, mein K.O.-Kriterium, er bringt ihr nicht nur exakt den Kaffee, den sie mag, sondern hat auch eine nützliche Kaffee-Erfindung gemacht. 

Früher hat Disney uns verdorben. Wunderbar belegt ist das bereits bei Ally McBeal:

Renee: Snow White. Cinderella. All about gettin’ a guy. Being saved by the guy. Today it’s Little Mermaid, Aladdin, Pocahontas. All about gettin’ a guy.  

Ally: So basically we’re screwed up because of…

Renee: Disney!

Heute bekommen die Disneyaner eben noch Unterstützung von Patrick Dempsey. Der wiederum importiert den Märchenstil von Disney’s Enchanted gleich in den nächsten Film, also Made of Honor. Dann in den nächsten. Und in noch einen… Und in Grey’s Anatomy. Und die armen Frauen sitzen davor und seufzen entzückt. Während die armen, mitgeschleiften oder gezwungenen Männer daneben sitzen und mindestens ebenso verzweifelt seufzen. Nach dem Film wird dann gegenseitig geseufzt, weil der Partner doof ist. Das nenne ich heimtückisch.

In meinem verqueren Disney-Romantik-Kopf bin ich z. B. mittlerweile bei der ganz wunderbaren Vorstellung eines romantischen Abends angekommen: Mit Picknick an einem idyllischen, ruhigen Plätzchen. Dezenter Kerzenschein mit luftigen Lampions. Dazu knisterige Musik aus einem Plattenspieler. Woher der Strom dafür kommt? Mir doch völlig egal. (Vielleicht wird das mein Cox’scher Happy Place.)

Aber um mal wieder näher an die Realität zu rücken: Irgendwann und irgendwo kommt schließlich jemand daher, der eigentlich viele (realistische…) Ansprüche erfüllt. Mit Überraschung – teilweise auch Entsetzen – muss mann feststellen, dass er sogar viel mehr erfüllt, als man ihm jemals zugetraut hätte. Und dann? Klappt es garantiert auch nicht, Happy End ohnehin von Anfang an nicht in Aussicht. DAS haben neuerdings auch die Macher von Grey’s Anatomy erkannt. Sie haben gleich eine superbe und passende Rahmenerzählung für den Saison-Auftakt geliefert (NATÜRLICH habe ich die Folgen nachgeholt): 

We all remeber the bedtime stories of our childhood. The shoe fits Cinderella, the frog turns into a prince, Sleeping Beauty is awakend with a kiss. Once upon a time. And then they lived happily ever after. Fairytales. The stuff of dreams. The problem is, fairytales don’t come true – it’s the other stories. The ones that begin with dark and stormy nights and end in the unspeakable. It’s the nightmares that always seem to become reality.  

[...]

Once upon a time, happily ever after. The stories we tell are the stuff of dreams. Fairytales don’t come true. Reality is much stormier. Much murkier. Much scarier. Reality is so much more interesting than living happily ever after.

Damit bietet Grey’s Anatomy eine ordentliche Relativierung inklusive Patrick Dempsey. Oder eher trotz ihm. Verziehen ist jedenfalls vorerst das über alle Maßen kitschige Ende der letzten Staffel, das zu allem Überfluss die abgehobenen Romantik-Vorstellungen noch beflügelte. 

Was zum Schluss zu sagen bleibt, überlasse ich ebenso den Serien-Weisheiten: “The person that invented the phrase Happily ever after should have his ass kicked so hard…” Eine Tatsache, die so oder so ähnlich auch Kurt Tucholsky schon längst erkannt hatte (Lesen!)

1:1

 - von wortkomplex

Beruflich häufen sich offizielle Firmentermine. Geburtstage, Jubiläen, Jahressuperergebnisse. Geladen wird man zu so einigem. Gesagt wird dort noch einiges mehr. Vieles geht an einem vorbei. Manches bleibt hängen. Und weniges beeindruckt nachhaltig.

So wie schon vor einigen Monaten, als die Temperaturen zumindest noch pseudo-sommerlich waren. Als ein Firmenchef mit seinen Worten große Wirkung auf mich hatte, die mich auch noch nach vielen Wochen immer wieder beschäftigen. Unternehmen, Firmenphilosophie und -führung entgegne ich ohnehin großen Respekt. In letzter Konsequenz waren es aber ungewöhnliche, private Worte in seiner Rede, die mich beeindruckt haben.

Er dankte seiner Frau. Nicht auf die typische, redenobligatorische und bisweilen peinliche Art. Nicht “Sie hält mir den Rücken frei, kümmert sich um so vieles, steht mir mit Rat zur Seite, hat großes Verständnis.” Nein. Er dankte ihr dafür, dass sie ein streitbarer, kreativer und intellektuell ebenbürtiger Sparringpartner sei. Es war an dieser Stelle ein großes, schönes Kompliment. Das Eingeständnis eigener Schwächen und Fehlbarkeit. Der Dank für Stärke zu zweit, gegenseitiges Voranbringen und gemeinsames Wachsen.

Seien wir mal ehrlich: Genau darum geht es. Bei uns allen. Tag aus, Tag ein. Kein Tag, an dem wir uns nicht (klammheimlich) an den Erfolgen und Misserfolgen anderer messen. Dem, was sie in welchem Alter schon erreicht haben. Nicht nur beruflich sondern auch privat. Kein Tag, an dem Neurotiker wie ich nicht darüber nachdenken, was sie von der Zukunft, dem Leben,… für sich erwarten. Und von sich. Dann hört man solch treffende Formulierungen und weiß: Das. Genau das. Zumindest auf privater Ebene. Immerhin ein Schritt.

“Women remember. It’s like they’ve got minds of their own.”

 - von wortkomplex

Giggle Loop, Melty Man, Nudity Buffer, Sock Gap, Visual Access Angel – surreale Theorien über Dates, Sex, Geschlechterrollen, Sex, Obsessionen, Sex, Beziehungen und Sex. Und, um das nicht zu vergessen: Sex. Das ist „Coupling“. Und genau das liegt gerade zwecks gelegentlichem Eskapismus und Gedankenzerstreuens in meinem DVD-Player.

Coupling 2000

Coupling 2000

Irgendwann während der Y2K-Hysterie muss es wohl gewesen sein, als der Brite Steven Moffat auf die Idee kam, eine seinem Leben nachempfundene Sitcom über den BBC-Äther zu schicken. Erzählt wie von einem Betrunkenen. Das Ergebnis ist „Coupling“ – im Deutschen mit dem Untertitel „Wer mit wem?“ versehen. Und das trifft das Serienkonzept auch schon ziemlich präzise.

Moffat selbst gibt folgenden Einblick in seine Vorstellung:

I wanted to explore the idea that when two people get together they bring all sorts of other people with them – their exes, their best friends. A little community forms around the couple. That was happening to me, so I wrote about it. The result is a post-watershed sitcom about chatting in bars and kitchens and getting close to just the sort of people you think you ought to hate…

Besonders erfolgreich lief das nicht. Nur vier Staffeln gibt es, 28 Folgen insgesamt, ausgestrahlt von 2000 – 2004. Auf dem amerikanischen Markt floppte Coupling kolossal. Nach vier von zehn Folgen, die extra auf US-Bedürfnisse adaptiert und neu gedreht wurden, war Schluss.

Das mag einerseits an der Konkurrenz gelegen haben. Denn… Sechs Freunde? Ähäm. Drei Frauen, drei Männer. Ähä. Aufreißer Sprücheklopfer und Sonderling sowie Ordnungsfanatikerin, Beauty-Queen und Nymphomanin. Wie? Bar? Küche? War da nicht mal was…

Friends 1994

Friends 1994

Ach iwo. Muss ich geträumt haben.

Aber auch ansonsten kommt Coupling mit einem Problem daher, das wiederum Steven Moffat sehr gut selbst umreißt:

When writing comedy, you have to have the confidence to believe that there is only one type of relationship in the world, and we are all having it; that all men behave in the same way and so do all women; I fill the script with universals.

Diese Einstellung schlägt sich – beispielsweise – folgendermaßen nieder:

  • Steve: Men can’t have opinions about fabric.
  • Steve: Look, it is not scientifically possible for a man to know what a woman wants. Which is very unfair. Because you always know what we want.
    Patrick: Yeah, because we always have the common decency to only ever want one thing. And do you ever thank us for making it so simple? Never.
  • Patrick: There’s one thing I don’t get here. You’ve seen this woman on the train and you find her attractive, right?
    Jeff: Yeah.
    Patrick: And you haven’t had sex with her?
    Jeff: No.
    Patrick: You see my problem?
    Steve: Let me explain, Patrick. Here on Earth, there is a gap between seeing someone you like and having sex with them that we like to call conversation. In Jeff’s case, it can last for up to ten years.
    Patrick: Are you saying I don’t converse? I converse. I talk to women.
    Steve: Well, do the women talk, too?
    Patrick: [pause] Well, they must do. 
  • Jeff: Steve, you know what the sentence of death is, don’t you? I don’t mean the sentence like in executions and stuff, I mean the scary one… Just five words, Steve. Five little words. ‘Where. Is. This. Relationship. Going.’
  • Patrick: [on the phone to Jeff] We have our advisors online.
    Steve: [pointing at Susan and Sally] That’s you two.
    Susan: This is ridiculous! Why does he need us to translate for him? Women aren’t a completely different species, you know.
    Patrick: [on the phone] Jeff, women AREN’T a completely different species. 
  • Sally: It’s a scientific fact that if you say “naked” three or more times, to any man, he has to cross his legs. 
    [Quelle]        

Die Serie ist thematisch zu fokussiert, die Pauschalisierungen werden irgendwann ermüdend und die Charaktere entwickeln sich eher rückwärts. Dennoch macht es Spaß, sich ab und an auf die nicht sehr tiefgründigen Abstrusitäten einzulassen. Die teilweise ganz wunderbar umgesetzte, nichtlineare Erzählweise ist außerdem äußerst charmant. Und auch die in Frauen vs. Männer unterteilten Parallelhandlungen sind bisweilen großartig und sehr schön überspitzte „Frauen-Wahrnehmung/Männer-Wahnehmung“-Stücke.

Interessant gewählt ist in jedem Fall der Titelsong „Perhaps Perhaps Perhaps“, gesungen von Mari Wilson:

If you can’t make your mind up,
we’ll never get started.
And I don’t wanna wind up,
being parted, broken-hearted.

Interessante Auswahl deswegen: Auch Doris Day trällerte den Song schon. Und die wiederum war sicher nicht wegen sexueller Freizügigkeit bekannt.

Fazit: Keine klare Anschauempfehlung. Aber nette Zwischendurchunterhaltung. 

Cosmopolitan deckt auf…

 - von wortkomplex

Über Cosmopolitan wurde an dieser Stelle schon viel gesagt. Deswegen nun auch noch der Hinweis auf die großartigste Entdeckung des Cosmopolitan Man Pleasing Institute:

Besuchen!

Wir dürfen auf viele horizonterweiternde, lebensverändernde, brandneue, noch nie dagewesene Cosmopolitan-Cover und Titelthemen gespannt sein.

BTW: Bei dieser Gelegenheit möchte ich gestehen, dass ich Imperativen viel abgewinnen kann. Merken!   

Sozialpsychologie – stark, smart, sexy

 - von Wicked Bitch

Ein Gastbeitrag von Wicked Bitch

Mr. Right und ich haben kürzlich die Formelsammlung für Unkreative das „Handbuch für Sex-Göttinnen Teil III: 169 Venus-Formeln“ aus der Cosmopolitan zur Hand genommen und ein wenig darin geblättert. Man weiß ja nie, welch biedere Kleinmädchenphantasie verruchte neue Idee sich darin noch verbergen könnte. Denn wer weiß, vielleicht wird es uns ja doch mal zu langweilig.

Es handelt sich dabei um Teil 3 einer Serie, die alljährlich im August als kleines Heftchen auf die Zeitschrift vorne drauf gepappt wird, damit es in Deutschlands Betten und vor allem anderswo wieder munterer zugeht. Denn wenn man diesen Heftchen glaubt, leidet die ganze Nation an unbefriedigter, missverstandener und schlecht behandelter Libido.

Dass man auf Teil 3 immer noch „169 GANZ NEUE, NIE DAGEWESENE Tipps“ draufschreiben kann, sollte stutzig machen. Und in der Tat ist nicht viel drin, was man nicht schon mal im Freundeskreis aufgeschnappt irgendwo gehört oder in der Bravo irgendwo gelesen hätte. Immer wieder das gleiche Spiel: Ziehen Sie sich heiße Dessous an, spielen Sie Rollenspielchen, legen Sie rhythmische Musik auf, lesen Sie zusammen das Kamasutra, fragen Sie sich gegenseitig über Ihre Phantasien aus. Alles irgendwie schon mal dagewesen.
Das Interessanteste an diesen Heftchen ist vielmehr der Metadiskurs: Wie läuft eine Redaktionskonferenz zum Thema Sextippheftchen ab? Wer nimmt daran teil, und schaffen es diese Personen, sich gegenseitig in die Augen zu sehen? Wer formuliert die Texte, und müssen für jeden vulgären Ausdruck 5 Euro ins Floskelschwein gesteckt werden? Ist beim Korrekturlesen Lachen erlaubt, oder darf man nur pfeifen und „hui, hui“ sagen? Beäugen sich Cosmopolitan-Redakteurinnen gegenseitig und werfen sich vielsagende Blicke zu, wenn sie einen besonders verdorbenen Artikel erzeugt haben? Nennen sie sich gegenseitig „kleine Schlampe“ und ihren Liebsten „geile Sau“?

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Gedankenfetzen: Kommunikationsdilemma

 - von wortkomplex

Variante 1: Schüchternheit siegt. Vielleicht auch leichte Angst vor diesem und jenem. Jedenfalls fehlt das entscheidende Teilchen Mut, vom Subtilen zum Deutlichen zu wechseln. Hinterher setzt der Ärger ein, nicht lieber doch etwas ganz anderes gesagt oder geschrieben zu haben. Vielleicht sogar zur Abwechslung das, was man eigentlich vermitteln will. 

Variante 2: Wird man doch mal etwas deutlicher, zeigt sein grundlegendes Interesse, sagt oder schreibt man dann doch mal etwas… dann kommt – z. B. im Falle einer SMS – spätestens zwei Stunden später der reuige Gedanke, wieso man es nicht doch lieber hat bleiben lassen. Im Gespräch auch gerne nach zwei Sekunden. Oder spätestens dann, wenn eine – irgendeine –  direkte Reaktion einfach ausbleibt.

Achachach…

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