Getaggt mit: Beziehung’
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- von wortkomplex
Beruflich häufen sich offizielle Firmentermine. Geburtstage, Jubiläen, Jahressuperergebnisse. Geladen wird man zu so einigem. Gesagt wird dort noch einiges mehr. Vieles geht an einem vorbei. Manches bleibt hängen. Und weniges beeindruckt nachhaltig.
So wie schon vor einigen Monaten, als die Temperaturen zumindest noch pseudo-sommerlich waren. Als ein Firmenchef mit seinen Worten große Wirkung auf mich hatte, die mich auch noch nach vielen Wochen immer wieder beschäftigen. Unternehmen, Firmenphilosophie und -führung entgegne ich ohnehin großen Respekt. In letzter Konsequenz waren es aber ungewöhnliche, private Worte in seiner Rede, die mich beeindruckt haben.
Er dankte seiner Frau. Nicht auf die typische, redenobligatorische und bisweilen peinliche Art. Nicht “Sie hält mir den Rücken frei, kümmert sich um so vieles, steht mir mit Rat zur Seite, hat großes Verständnis.” Nein. Er dankte ihr dafür, dass sie ein streitbarer, kreativer und intellektuell ebenbürtiger Sparringpartner sei. Es war an dieser Stelle ein großes, schönes Kompliment. Das Eingeständnis eigener Schwächen und Fehlbarkeit. Der Dank für Stärke zu zweit, gegenseitiges Voranbringen und gemeinsames Wachsen.
Seien wir mal ehrlich: Genau darum geht es. Bei uns allen. Tag aus, Tag ein. Kein Tag, an dem wir uns nicht (klammheimlich) an den Erfolgen und Misserfolgen anderer messen. Dem, was sie in welchem Alter schon erreicht haben. Nicht nur beruflich sondern auch privat. Kein Tag, an dem Neurotiker wie ich nicht darüber nachdenken, was sie von der Zukunft, dem Leben,… für sich erwarten. Und von sich. Dann hört man solch treffende Formulierungen und weiß: Das. Genau das. Zumindest auf privater Ebene. Immerhin ein Schritt.
Willst du mit mir gehen?
- von wortkomplex
Eine Phase habe ich von der fünften bis ca. zur neunten Klasse eindeutig verpasst: Die „Willst du mit mir gehen?“-Phase. Heutzutage dürfte die auch schon früher losgehen. Im Kindergarten vermutlich.
Bei genaueren Überlegungen stellte ich heute fest, dass ich nie ein „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen erhielt. Ich bin deprimiert. Zutiefst. Allerdings ist der Anlass, aus dem ich überhaupt darüber nachdachte, doch eher freudiger Natur.
Denn am Wochenende wurde ich für all die Enttäuschungen der Schulzeit entschädigt. Und sehr süß gefragt, ob ich mit jemandem gehen wolle. Die schelmisch lächelnd vorgebrachte Formulierung veranlasste bei mir ein sehr, sehr breites Grinsen. Den Rest des Tages lang. Ehrlich gesagt ist mir derjenige auch weitaus lieber als all meine verpickelten Schwärmereien zusammen. Gelegentlich fragt man sich doch, was man sich bei den Typen so gedacht hat…
Und immerhin musste ich so auch nicht „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen … vielleicht auch noch „Vielleicht“. Überhaupt scheinen die „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen nach jahrhundertelang überlieferten „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen-Konventionen angefertigt zu werden. Der Text: Immer der gleiche. Die Antworten: Schwankend zwischen zwei und drei an der Zahl. Weiß eigentlich jemand, was passiert, wenn man „Vielleicht“ ankreuzt? Geschlechtsunterschiede: Mädchen schreiben es auf kitschig verziertes Briefpapier, vorzugsweise mit Pferden oder in rosa, Jungs auf zerknittertes liniertes Papier, vorzugsweise die letzte Seite des Deutschheftes.
So war das zumindest zu meiner Zeit. (Auch wenn ich ja nie selbst welche bekam… ja, ich bin wirklich deprimiert.) Girls und Boys, Macker und Schlampen, mögen das mittlerweile anders machen.
Aha, große Marktlücke: Vorlagen für „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen. Grundschema immer das gleiche, ein paar Variationen fürs Layout. Microsoft setzt es für die Computer-Kiddies um, der Klingelton-Nervtöter für die Handy-Junkies. Die Erfolgschancen (und der Profit) schauen gut aus. Immerhin kauft die Zielgruppe auch Jamba-Abos.
Ich mache es mir derweil mit meinem … hm, Mitgeher? Wie nennt man sich nach einem positiven „Willst du mit mir gehen?“-Bescheid eigentlich? Egal. Mit dem mache ich es mir jedenfalls kuschlig gemütlich. In der eigenen Wohnung. Bei Filmen mit dem Label FSK 12. Welcher Fünftklässler kann da schon mithalten.