Getaggt mit: böse Marketingmaschinerie’
Band 2 – ein Nachtrag zum SATC-Nachtrag
- von wortkomplex
Mein Vorschlag für “Sex and the City – der Film II”: Ein Gedichtband. Schön zusammengestellt, tatsächlich herausgegeben und gut vermarktet. Wobei letzteres den Machern nicht fremd sein dürfte, die Maschinerie läuft – im Film und außerhalb. Gedichte sind da fast schon zu ideell. Trotzdem steuere ich Rainer Maria Rilke bei.
Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
Seit Schulzeiten neben “The Road Not Taken” von Robert Frost und Gedicht XV aus den Veinte poemas de amor y una canción desesperada von Pablo Neruda nach wie vor eines meiner liebsten Gedichte. Der Grund, mir damals eine Sammlung von Rilkes-Gedichten zuzulegen, die derzeit wieder auf meinem Nachttisch liegt.
Und damit das Ganze viel spaßiger wird, gebe ich es weiter. Als Stöckchen (ouhouhou… mein erstes und sehr sicher letztes eigenes). An Frau L. aus K. an der F. natürlich, die nun ihr eigenes Lieblinsggedicht ausgraben kann. Auch an Herrn Uniwave würde ich das rein theoretisch weitergeben, wenn ich mir nicht recht sicher wäre, dass er Stöckchen ignoriert.
Auf der Suche nach den zwei Ls – ein Nachtrag zu SATC
- von wortkomplex
“Sex and the City – der Film” hat viele auf die Suche geschickt. Nach den angesagtesten Schuhen, dem Prinzen in strahlender Rüstung auf seinem weißen Ross, dem Sinn und Unsinn von Serienverfilmungen. Vor allem aber nach den zwei Ls. Die Personen im Film jagen “Labels and Love” hinterher. Und draußen suchen sie die “Love Letters from Great Men”.
Carrie Bradshaw hält diesen Band in Händen, Um sich selbst für ein neues Buch inspirieren zu lassen. Die Briefe sind echt. Der Band ist es nicht. Trotzdem – oder besser: deswegen - stieg ein ähnliches Buch in den Hitlisten der Buchhändler schon kurz nach Filmstart eklatant nach oben.
Warum? Achtung, ab hier wird gnadenlos gespoilert.
Weil Mr. Big daraus zitiert, um seine “etwas” vor den Kopf gestoßene Holde zurück zu gewinnen. Per E-Mail übrigens. Zum Schluss wird deswegen… alles gut. Er kann ihr schließlich den diamantenbesetzten Schuh nach einem Antrag im begehbaren Kleiderschrank anlegen. Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Oder zumindest so lange, bis für Teil 2 neue Dramen her müssen.
Aber zurück zu den Briefen. Liebesbriefe sind ganz wunderbar. Erst Recht die großer Denker, Dichter,… – das möchte ich ja gar nicht in Abrede stellen. Angeblich sollen sie sogar für lange und andauernde Beziehungen sorgen. Aber der unterstellte Hype geht mir gerade ein bisschen zu weit. SATC war tolles Popcorn-Kino. Es war nicht “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” in Originalversion – es war nichts anderes als ein Märchen, wenn man es so haben möchte. Ein schönes, kitschiges, vollkommen abgehobenes Märchen, in dem der tapfere Ritter nicht gegen Drachen sondern Missverständnisse und Kommunikationsprobleme ankämpft (es komme mir jetzt bitte kein Mann damit, dass Frauen manchmal nicht besser sind als Drachen). Und sicher mögen sich jetzt einige Menschen elaborierte Liebesbrief-Sammlungen in das Bücherregal stellen. Aber ob es damit getan ist? Ich will ja nicht böse sein… aber mir bringt es in der Regel auch recht wenig, wenn das Buch neben mir im Bett liegt und ich schlafe.
Ich dachte ja schon, Disney hätte Romantik-Vorstellungen verdorben. Sex and the City könnte das aber problemlos übertreffen, wenn demnächst schon alle pubertierenden Mädels poetische Liebesgeständnisse erwarten und nicht nur ein “ILD” per Handy.
P.S.: Wer von einschlägigen Suchmaschinen hierher geschickt wurde und noch keine Antworten gefunden hat – auf welche Fragen auch immer – soll immerhin nicht ganz enttäuscht werden. Hier der Link zum in SATC zitierten Brief Beethovens an seine unsterbliche Geliebte… “ewig dein, ewig mein, ewig unß”
P.P.S: Kleine Anmerkung, nicht am Rande sondern zum Schluss: Eigentlich fehlt dem Film nur eines. Besser einer. Patrick Dempsey. Dann wäre das Disney-Märchen perfekt.